Vagabündnis

Sieben Menschen auf der Suche nach dem guten Leben, mit dem Fragen danach was wir als Gesellschaft brauchen und wie das alles miteinander zusammenhängt. 

Mal reisen alle sieben gemeinsam, mal in kleineren Teilen, wie bei einem guten Sauerteig. 

V verspielt, verträumt, verhaltenskreativ, verplant, vielseitig

A – antifaschistisch, abenteuerlich, aufgeregt

G – gemeinsam, getrennt, genüsslich

A – antikapitalistisch, authentisch, ausgelassen

B – bunt, begegnend, begeistert, bilderbuchhaft

Ü überdreht, überfordert, übend

N – nicht kommerziell, neugierig, naturverliebt

D – dankbar, dusselig

N – nassgeschwitzt, natürlich

I – interessiert, inspiriert

S – sanft, sachensuchend, schelmisch

Unsere Erlebnisse:

Wir wollen euch, liebe Webseitenbesuchenden, gerne mitnehmen. Von unseren Stationen und Prozessen erzählen, nachvollziehbar machen was diese Wanderuni für uns eigentlich heißt.

Tage der Vorbereitung: 

Was wird uns erwarten, was wird uns begegnen? Wer sind wir und wenn ja, wie viele? Bei Online-Runden und in der K20 erproben wir das Gruppe-Sein. Das Denken im ‘Wir’.
Wie wollen wir unterwegs sein? Was macht uns aus? Was ist uns wichtig? Wohin soll es gehen? Versuchen wir eine gemeinsame Ökonomie?
Wie vereinen wir Gegensätzliches wie: das Gemeinsame und das Eigene? Das Spontane und das Geplante? Herausforderndes und Erholendes? 

Bei allem steht fest: Festlegungen gelten, bis sie wieder zur Sprache gebracht und neu verhandelt werden. Das meiste, so merken wir, entwickelt sich organisch. Und deshalb laufen wir jetzt einfach mal los!

im April: 

Unsere Wanderunizeit begann mit dem Übertritt der geschmückten Schwelle bei den Gastwerken nahe Kassel. Überdreht und voller Heiterkeit wanderten wir los und fanden auf dem Weg heraus, dass unser erstes Ziel die Kommune Niederkaufungen sein soll – unwissend, dass diese historische Kommune eigentlich noch mehr Interessantes zu bieten hätte als einen warmen Schlafplatz. Diese Unwissenheit ließ uns nicht länger verweilen und wir beschlossen – auf die Zahl 4 reduziert – Kassel per Anhalter zu verlassen. Der Kassel Fluch ließ uns jedoch nicht weiterziehen und so landeten wir in Niestetal, wo wir nach einer netten Unterredung mit dem ortsansässigen Ordnungsamt auf einer Schafwiese übernachten durften und obendrein vom Schwimmbad nebenan unseren morgendlichen Kaffee gezapft bekamen.

Nach dem vergeblichen 2. Trampversuch landeten wir teils dann doch mit Öffis in Frankfurt in einem autonomen Schrebergarten. Wir verbrachten dort entspannte Reprotage und planten unsere nächsten Schritte. Nach einer kurzen Reise über Hanau, einer Übernachtung in 2 Pfarrheimen und einem Besuch bei Oskar in Leipzig, schafften wir es bis nach Brandenburg zur UKG (Die unklare Gemengelage einiger frei- oder wildreisender Menschen). Nach diesen befruchtenden Austausch über das Unterwegs sein zogen wir weiter nach Klein Jasedow für ganze 10 Tage. Dort vergrößerte sich die Gruppe um 1 und dann sogar 2 Menschen. Wir wohnten auf dem Stützpunkt und wurden von den Menschen aus der Gemeinschaft mit jedem Tag mehr in die Strukturen aufgenommen, durften Gräben buddeln, Geschichten hören, Gärtnern, Tragekarren und Dachkonstruktionen bauen, in der Halle mitessen, Brot backen, und vieles mehr. 

im Mai:

In Klein Jasedow hat das Vagabündnis den Stützpunkt besetzt, wobei sich bald zeigt das der sachverhalt auch umgekehrt seien könnte da wir so von diesem Ort eingenommen sind dass wir fast den ersten Mai vergessen! So macht sich eine dreiköpfige Vagabande auf den weg nach Greifswald, um etwas revolutionäre Luft zu schnuppern. Nach der Demo landen wir verschwitzt, mit einem Haufen Flyern und einigen roten Ohrwürmern im Gepäck im Jugendzentrum Klecks. Hier gibt es Chili und einen Haufen lustiger Menschen. Eine von ihnen ist Mine, die sich als erste in unserem Studienbuch mit ihrem Permakulturprojekt verewigen darf. 

Auf dem Weg nach Usedom regnet es. Wir beschließen, uns für den Weg zu separieren und auf der Halbinsel wiederzufinden. Auf Usedom finden wir außerdem einen trockenen Schlafplatz und vegane Würstchen, Regen und einen ziemlich langen Strand, einen Melonenbeutel, Regen und eine Therme, in deren Eingangshalle Briefe geschrieben werden. Zwei finden einen tollen Schlafplatz im Grünen, Wir finden Containerkuchen und ne Menge Regen…..Usedom, ich bin mir noch nicht sicher ob ich dich sehr mag.

Irgendeins kennt irgendwen und so landen wir irgendwann in Neuruppin im Jugendwohnprojekt “Mittendrin”, das politischer Freiraum, offene Kinder- und Jugendarbeit und Wohnort zugleich ist. Dort verbringen wir zwei Tage, sind begeistert vom ausführlichen Bücherregal und der Möglichkeit, unsere Kleidung mit Siebdruck zu bedrucken. 

Auf dem Weg nach Neuruppin plätschert eins von uns zuvor auf dem Spreecamp vorbei – einem von vier Flusscamps, die dieses Jahr stattfinden, und uns unser Verhältnis zu dem lebenswichtigen Element Wasser spiegeln. 

Nachdem wir in Ostdeutschland sehr deutlich gesehen haben, was der Rechtsruck für politische Projekte in der Praxis bedeutet, geht es für uns weiter nach Berlin. Dort haben wir den Vorsatz jeden Abend bei einer anderen Küfa (=Küche für alle, es gibt dort meistens Essen auf Spendenbasis) zu essen. Außerdem stellen fünf von uns das Logistikteam für die MarxIsMuss-Konferenz uns beschäftigen sich ausfühlich mit linker Theorie. Die anderen beiden bauen eine Küche für das ‘Haus des Wandels’, Lebensort eines queerfeministischen Künstler:innenkollektivs in Brandenburg. 

Nach dem trubeligen Großstadtleben geht es für uns wieder mal in Richtung Ziegenhagen, wo wir uns in “der Blume” mit Wanderuni-Ehemaligen zur Reflexion und Planung unserer weiteren Zeit treffen. Für einige von uns geht es in der Region noch ein wenig wandern, während andere kurz ihren eigenen Pfaden folgen. 

Wiedersehen tun wir uns dann in Hauenstein, wo ein Pfadfinderlager, bei dem wir zu Gast sein dürfen, stattfindet. Das Thema ist Zeitreisen, weshalb wir mit Alufolie bewaffnet und als Zukunftsmenschen verkleidet den teilnehmenden Kindern komplexe Rätselaufgaben stellen dürfen.

im Juni:

Und plötzlich sind wir mittendrin in diesem verrückten Wanderhalbjahr. Mittendrin und auch schon ganz schön voll mit so vielen Eindrücken. 

Deshalb startet unser Juni in einem Haus im Schwarzwald. Dort rockt eine von uns eine Baustelle und die anderen dürfen einfach sein. Es ist Zeit zum aufwändig Kochen, zum Briefeschreiben, zum Rumlümmeln und nebenbei wird auch ein Fenster gestrichen und eine krasse Fassade gebaut. 

Gestärkt von dieser Zeit stürzen wir uns unerschrocken in ein Meer voll neuer Eindrücke: Einige von uns besuchen die Gulaschprogrammiernacht und den CSD in Karsruhe, eine andere ein Festival in Regensburg und eine Einführung in die politische Clownerie wird auch von einer mitgenommen. 

Ein Wiedersehen von fast allen gibt es dann bei der Bauwoche im Fuchsnetz in Waldkappel. Hier werden Wäschespinnen gespannt, Lehmwände verputzt, Essen gekocht,  Permakulturbeete gejätet und verzweifelt versucht, einen Teller wieder aus einem Topf herauszubekommen. Außerdem stellt sich eine von  uns beim Pizzabacken im Lehmofen unter Beweis und wir erfahren viel über das gelebte Commoning im Fuchsnetz. Weil es so schön war, bleiben drei von uns noch übers Wochenende zum Sommerfest bei ganz und gar unsommerlichen Temperaturen. Es gibt viele bewegende Vorträge, viel Freiraum und immer wieder ständig ein anregendes Gespräch. Drei von uns reisen schon früher ab und bewegen sich auf ihren eigenen Pfaden.

Am Sonntag ist es dann Zeit für Aufbruch, für Wandern, für Treibenlassen und für Flow. Zu Zweit machen wir uns also auf. Die erste Wanderung führt uns auf den Gipfel des hohen Meißners, wo eine Person wieder dazukommt und wir zu dritt eine kalte, zugige Nacht verbringen. Am nächsten morgen haben wir aber ein Glück, dass sich irgendwie sehr wanderunitypisch anfühlt. Auf der Suche nach Frühstück sind wir im Internet  über ein veganes, tauschlogikfreies Café direkt am hohen Meißner gestolpert. Fasziniert begeben wir uns natürlich dorthin, klopfen an und bekommen erstmal mitgeteilt, dass das Café zwar tatsächlich existiert, allerdings bei so kalten Wetter geschlossen habe. Reingebeten werden wir nach kurzer Zeit aber trotzdem. So sitzen wir dann plötzlich im Wohnzimmer, der im Aufbau befindenden Kommune “Hemen” (mehr Infos hier: https://hemen.schwalbenthal.org/)  und werden mit Maiswaffeln und Unmengen an Schwarztee bewirtet. Wir führen Gespräche darüber, wie sinnvolles Leben gelingen kann und wie schwierig es ist heutzutage eine Kommune zu gründen. 

Nach einem langsamen und wohlbehüteten Morgen werden wir weiterverwiesen an “Holles Werk” – das ist eine im Tal gelegene und sich ebenfalls im Aufbau befindende offene Werkstatt. Das ist dann tatsächlich der Ort, wo wir den Abend und die Nacht verbringen dürfen. Wir haben endlich Zeit und Material, um unsere Kleidung zu flicken und Geburtstagskarten und Briefe zu basteln. Mit Stefan, der das Projekt gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth gegründet hat, reden wir darüber, wie wichtig es ist, nicht in politischer Resignation zu verharren, sondern selbst ins Handeln zu kommen. 

Nachdem es bis hierhin schon so gut lief, geht es auch direkt weiter. Wir wollen das beliebte Tourismusziel der Mohnblüte im Nachbardorf besuchen und nachdem wir gerade unsere Rucksäcke gesattelt haben und bereit sind loszulaufen, hält einfach ein Linienbus neben uns. Der Busfahrer fragt uns “Wo wollt ihr hin? – ich fahr euch!” Wir steigen ganz verdutzt ein und werden tatsächlich komplett bedingungslos zu den Mohnblumenfeldern kutschiert. Dort schreiben wir Tagebuch und beobachten fasziniert, wie Menschen alle das gleiche Fotomotiv fotografieren. 

Einige von uns haben Lust auf Berge, deshalb geht es als nächstes ab ins Allgäu. Dort wandern wir zu viert sechs  Tage lang von Kempten aus an den Plansee in Österreich. Unterwegs besteigen wir ein paar Gipfel, gehen in noch mehr Bergseen baden und werden immer wieder reich mit Essen beschenkt. Uns scheint die Sonne ins Gesicht und wir schaffen es endlich mal wieder uns unseren Strukturen zuzuwenden und so klassischen “Wanderunikram” wie halbwegs regelmäßige Morgen- und Abendrunden zu machen :D. 

In Kempten schreiben wir dann auch die ersten Texte für diese Webseite und fühlen uns mit einem langen Aufenthalt in der Bibliothek und einem Museumsbesuch regelrecht kultiviert.

Nach unserem Ausflug in den Süden geht es für uns – wie schon so oft – wieder in die Nähe von Kassel. Auf Burg Ludwigstein besuchen wir das Kirschenfest, bei dem Traditionen veralbert, Kirschtiramisu schnabliert, kreativ geschrieben und irgendwie diese absurde Hitze ausgehalten wird.

im Juli:

Liste verlorener Gegenstände:

  • Ein Tarp
  • Pilles Tastenhandy
  • Ein Opinel 
  • Eine Trinkflasche 
  • Eine Sternensonnenbrille
  • Ein Vliespulli
  • Eine Sonnenbrillenhülle
  • “Piepsi” unseren Redevogel (wir vermissen ihn sehr!)
  • Sämtliche Eddings

Löffelgalerie:

Manchmal schauen wir sogar nach unseren Mails: vagabuendnis@wanderuni.de